Warum „Wie-Lernen" heute wichtiger ist als „Was-Lernen"
Viel gelernt für die Prüfung und schon ist fast alles wieder weg. Das ist nicht nur nervig und frustrierend, sondern wirft auch die Frage auf, wofür das alles sein soll. Denn Lernen ist kein Selbstzweck und sollte sinnvoll sein.
Während sich die Welt weiterdreht, hängt das System fest
Kennst du die aktuelle Diskussion in Bayern? Auf höchster politischer Ebene wird debattiert, ob sogenannte Exen (kleine Kurztests) angekündigt werden dürfen oder nicht. Stell dir das mal vor: In einer Zeit, in der du jede Information in Sekunden googeln, Zusammenhänge von ChatGPT erklären lassen und komplexe Themen auf YouTube verstehen kannst, wird darüber gestritten, ob ein Test vorher angekündigt werden darf oder nicht.
Dieses Beispiel zeigt mir, wie tief das „Was-Lernen" noch immer in unserem Bildungssystem verankert ist. Fakten pauken, wiedergeben, vergessen und weiter zum nächsten Stoff.
Wenn Lernen keinen Sinn ergibt
Mal ehrlich: Wann hast du das letzte Mal aus echtem Interesse gelernt, einfach weil dich etwas wirklich neugierig gemacht hat? Vor allem in der Schule oder im Studium? Meistens lernst du wahrscheinlich, weil bald eine Klausur ansteht. Du paukst Formeln, Jahreszahlen, Definitionen, nicht weil du verstehen willst, wie die Welt funktioniert, sondern weil du eine Prüfung bestehen musst.
Das Problem dabei ist: Niemand hilft dir zu unterscheiden, was davon wirklich wichtig ist und was nicht. Alles scheint gleich bedeutsam, alles könnte drankommen. Die Folge? Du fühlst dich überfordert. Noch schlimmer ist, dass du dich fragst, wozu das alles eigentlich gut sein soll.
Der Psychologe Hermann Ebbinghaus hat bereits 1885 herausgefunden, dass nach einem Tag nur noch etwa 34 Prozent des Gelernten im Gedächtnis bleiben, wenn es nicht wiederholt oder angewendet wird. Andere Studien zeigen ähnliche Ergebnisse. So können bis zu 70 Prozent der erlernten Informationen innerhalb der ersten 24 Stunden vergessen werden, wenn keine Wiederholung erfolgt. Du merkst es ja selbst, dass zwei Wochen nach der Prüfung das meiste des Gelernten wieder weg ist.
Der Preis: Prüfungsdruck statt Lernfreude
Was bleibt, wenn Lernen zur reinen Pflichtübung wird? Demotivation, Prüfungsstress oder sogar Prüfungsangst. Schlaflose Nächte vor Tests. Das Gefühl, nie gut genug zu sein. Vielleicht kennst du auch Blackouts, obwohl du den Stoff eigentlich beherrschst. Oder diese Stimme in deinem Kopf, die dir sagt, dass du versagt hast.
Im Alltag bedeutet das häufig, dass intelligente und fähige junge Menschen sich selbst fertigmachen, weil sie glauben, nicht zu genügen. Dabei haben sie nicht versagt, sondern das System lässt sie im Stich.
Was im echten Leben zählt
Aus meiner Zeit als HR-Managerin in der Unternehmenswelt kann ich dir eines sagen: Im Berufsleben interessiert es so gut wie niemanden, ob du alle Bundesländer aufzählen oder chemische Formeln auswendig kannst (auch wenn ein gewisses Allgemeinwissen nach wie vor sinnvoll ist). Was wirklich zählt, ist etwas ganz anderes:
Kannst du dich schnell in neue Themen einarbeiten?
Weißt du, wo du zuverlässige Informationen findest?
Kannst du Wichtiges von Unwichtigem trennen?
Verstehst du Zusammenhänge statt nur Einzelfakten?
Kannst du unter Druck einen klaren Kopf bewahren?
Das ist „Wie-Lernen" und genau das wird in Schulen immer noch zu wenig vermittelt. Stattdessen produzieren wir junge Menschen, die zwar für Tests auswendig lernen können, aber nicht wissen, wie sie ihr Leben lang selbstbestimmt und effektiv lernen.
Es geht auch anders
Die gute Nachricht: Du kannst dir das „Wie-Lernen” aneignen, egal wie alt du bist oder wie schlecht deine Noten gerade sind. Es bedeutet, Lernstrategien zu entwickeln, die zu dir persönlich passen. Zu verstehen, wie dein Gehirn funktioniert und wie du es optimal nutzt. Zu lernen, mit Druck umzugehen, statt davor wegzulaufen.
In meiner Arbeit als Lerncoach geht es nicht darum, noch mehr Lernstoff reinzupacken. Gemeinsam schauen wir, wo deine wirklichen Blockaden liegen, entwickeln individuelle Strategien und bauen echte Prüfungskompetenz auf. Du erhältst keine oberflächlichen Tipps, sondern eine fundierte, nachhaltige Veränderung.
Denn wenn du einmal verstanden hast, wie du lernst, wenn du deine eigenen Methoden gefunden hast und weißt, wie du souverän mit Prüfungssituationen umgehst, dann gehört dir diese Fähigkeit ein Leben lang.
Deine nächsten Schritte
Falls du dich in diesem Artikel wiedererkennst, dann weißt du jetzt: Du bist nicht allein, und vor allem: Es liegt nicht an dir. Das System hinkt hinterher. Aber du musst nicht darauf warten, dass sich Schulen und Politik ändern.
Du kannst heute anfangen, dein Lernen selbst in die Hand zu nehmen. Und falls du dabei Unterstützung brauchst, bin ich für dich da – mit fundierter Coachingkompetenz, echter Empathie und der Zuversicht, dass du das Zeug dazu hast, nicht nur Prüfungen zu bestehen, sondern zu einem selbstbestimmten, erfolgreichen Lerner zu werden.